Epigenetik


Die Epigenetik beschäftigt sich mit der Wirkung von Genen auf das physische Erscheinungsbild eines Organismus. Aber bleibt am Ende mehr zu analysieren als nur der genetische Code?

Können auch menschliche Entscheidungen, Handlungen und Lebensstile Einfluss auf unsere Nachkommen haben?

Die Dokumentation erkundet das Gedächtnis der Gene, jene verborgene Erbschicht, die in jeder Zelle des Körpers liegt. Im Hinblick auf zahlreiche Themen, von der künstlichen Befruchtung über das posttraumatische Stresssyndrom bis hin zur Nahrung, die frühere Generationen zu sich nahmen, könnte die durchaus umstrittene Wissenschaft der Epigenetik das Verständnis von Vererbung grundlegend verändern.


Im Zentrum dieses neuen Forschungsgebiets steht die einfache, aber heftig diskutierte Vorstellung, dass Gene über ein "Gedächtnis" verfügen.

 

Dass das Leben unserer Großeltern - die Luft, die sie atmeten, die Nahrung, die sie zu sich nahmen, ja sogar, was sie sahen - ihre Nachkommen, noch Jahrzehnte später unmittelbar beeinflussen kann, obwohl die diese Dinge selbst nie erfahren haben.
Die Epigenetik steht für eine Abkehr von der herkömmlichen Vorstellung, dass die DNA die gesamte Erbinformation enthalte und dass nichts, was ein Mensch in seinem Leben tut, biologisch an seine Kinder weitergegeben werde. Die meisten Wissenschaftler empfinden diese Lehre als Ketzerei, denn sie stellt die bisherige Betrachtungsweise der DNA-Sequenz als Grundstein der modernen Biologie infrage. Doch Wissenschaftler haben nun eine ganz neue Grundlage der Vererbung jenseits der DNA entdeckt. Sie konnten nachweisen, dass die Gene ihrerseits der Kontrolle epigenetischer "Schalter" unterliegen, die von Umwelteinflüssen wie Nahrung und Stress ein- und ausgeschaltet werden. Aus dieser verblüffenden neuen Erkenntnis ergibt sich die Schlussfolgerung, dass die Wirkung von Umweltfaktoren vererbt werden kann.

 

 

Geschichte [Bearbeiten]

Dem Biologen Conrad Hal Waddington wird der Begriff der Epigenetik zugeschrieben. Im Jahr 1942 definierte er Epigenetik als “the branch of biology which studies the causal interactions between genes and their products which bring the phenotype into being”.

Etymologie [Bearbeiten]

Der Begriff Epigenetik wurde in der Vergangenheit in unterschiedlichem Zusammenhang verwendet. So hat die griechische Vorsilbe 'epi' in Epigenetik mehrere Bedeutungen, wie "nach", "hinterher" oder "zusätzlich". So beschreibt die Epigenetik alle Prozesse in einer Zelle, die als 'zusätzlich zu' den Prozessen und Informationen (wie die DNA-Sequenz) der Genetik gelten.

Das Epigenom [Bearbeiten]

Als Epigenom wird der epigenetische Zustand einer Zelle bezeichnet. Beispielsweise gehen aus einem einzelnen Embryo im Verlauf seiner Entwicklung eine Vielzahl verschiedener Zelltypen hervor, die alle das selbe Genom haben. So hat eine Hautzelle und die Retinazelle des Auges das selbe Genom, dass heißt die selbe DNA-Sequenz, aber eine völlig unterschiedliche Funktion, da ein unterschiedliches Epigenom. Die Verschiedenartigkeit dieser Tochterzellen lässt sich also weniger auf das Genom, als vielmehr auf dessen Informationsumsetzung zurückführen. Somit stellt ein einziges Genom häufig die Basis vieler Epigenome dar. In Analogie zum genetischen Code einer Zelle beschreibt man die epigenetischen Muster einer Zelle mit dem epigenetischen Code.

Epigenetische Vererbung [Bearbeiten]

Viele Wachstumsprozesse beruhen auf der Weitergabe von Information von einer Zelle auf ihre Tochterzellen, ohne dass diese Information in der DNA-Sequenz kodiert ist. Aus sich teilenden Fibroblasten werden neue Fibroblasten, und keine Leber- oder Nervenzellen. Epigenetische Vererbung bezeichnet diese Vererbungsprozesse; auch auf Ebene individueller Organismen wird diese Form der Vererbung hin und wieder gefunden, wenn nämlich Organismen ihren Nachkommen einen bestimmten Zustand oder ein bestimmtes Merkmal vererben - ohne entsprechende Mutation der DNA-Sequenz.

 

 

Epigenetische Vererbungssysteme [Bearbeiten]

Einige Arten von epigenetischer Vererbungssystemen mögen eine Rolle im sogenannten "Zellgedächtnis" spielen. [1]:

Transkriptionelle Regulation [Bearbeiten]

Es gibt verschiedene Mechanismen, die in die Transkriptionsmaschinerie eingreifen. So kann die Transkription eines Gens durch Proteine, Interferenz-RNA, DNA-Methylierung und Histonmodifikationen epigenetisch beeinflusst werden.

Chromatinstrukturveränderungen [Bearbeiten]

Eine wichtige Histonmodifikationen ist beispielsweise die Acetylierung der K9 und K4 Lysine am Stickstoff-Ende der Kernhistone eines Nukleosoms. So führt die positive Ladung dieses Stickstoff-Endes zur Bindung an die negativ geladenen Phosphate des DNA-Rückgrats, womit diese sich nicht mehr gegenseitig abstoßen können. Damit kann die DNA im Zellkern eng aufgewickelt werden, und ein Zugang von transkriptionsaktiven Molekülen wird wirkungsvoll unterbunden (Gen-Silencing). Wird hingegen Lysin acetyliert, verschwindet die positive Ladung, die negativ-geladene DNA stößt sich selbst ab und kann nicht mehr so eng gepackt werden. Transkriptionsfaktoren können an die DNA binden, womit die DNA weiter geöffnet wird, und wodurch sie für die großen Enzyme wie RNA-Polymerase zugänglich wird: Transkription findet statt. Histone sind die Zellkernproteine, die wichtige Ordnungsprinzipien der DNA-Verpackung ermöglichen. Acht dieser Proteine (vier Typen) formen einen “Nucleosomenkern” (core particle), der den DNA-Faden quasi als Spule in 1,65 Windungen aufnimmt. Ein humanes Genom wird durch etwa 25 Millionen derartiger Nucleosomen “komprimiert”, allerdings in unterschiedlichem Ausmaß: in den klassisch als “Euchromatin” bezeichneten, aktiven Regionen besteht gegenüber dem inaktiven “Heterochromatin” eine lockere Packung - diese Regionen sind besser zugänglich.

Epigenetische Codierung und Evolution [Bearbeiten]

Der Verpackungsgrad und damit die Regulation ist Folge von Histonmodifikationen, des Histon-Codes [2] zu sehen, durch den das Informationspotential des genetischen Codes enorm erweitert wird. Histonmodifikationen sind die Phosphorylierung (p) von Serin-Resten, die Acetylierung (ac) von Lysin-Resten, sowie deren Mono- bis Trimethylierung (me1-3) und die Methylierung von Argininresten. Dazu kommen andere komplexere Modifikationen (Ubiquitinylierung, Poly(ADP)-Ribosylierung). Im Zusammenspiel zwischen der Art und dem Ort der Modifikation erweitert sich das regulatorische Potential des Genoms immens. Die letzten Jahre haben zu einigem Verständnis dieser Grundprinzipien geführt, jedoch ist das derzeitige Bild, das nachfolgend tabellarisch dargestellt werden soll, längst noch nicht komplett. Zusammen mit den anderen oben genannten Veränderungen (DNA-Methylierung) ergibt sich der epigenetische Code.

Literatur [Bearbeiten]

  • Oskar Hertwig, 1849-1922. Biological problem of today: preformation or epigenesis? The basis of a theory of organic development. W. Heinemann: London, 1896.
  • Eva Jablonka and Marion J. Lamb. The Changing Concept of Epigenetics. Annals of the New York Academy of Sciences 981:82-96 (2002).
  • R. Jaenisch and A. Bird (2003) Epigenetic regulation of gene expression: how the genome integrates intrinsic and environmental signals. Nat. Genet. 33 (Suppl) 245-254.
  • Joshua Lederberg, "The Meaning of Epigenetics", The Scientist 15(18):6, Sep. 17, 2001.
  • R. J. Sims III, K. Nishioka and D. Reinberg (2003) Histone lysine methylation: a signature for chromatin function. Trends Genet. 19, 629-637.
  • B. D. Strahl and C. D. Allis (2000) The language of covalent histone modifications. Nature 403, 41-45.
  • Conrad Hal Waddington (1942), "The epigenotype" Endeavour 1, 1820.
  • R.A. Waterland, R.L. Jirtle, "Transposable elements: Targets for early nutritional effects on epigenetic gene regulation", Molecular and Cellular Biology 2003 August 1;23(15):5293-5300.
  • Bradbury J: Human Epigenome Project—Up and Running. PLoS Biol 1/3/2003: e82. doi:10.1371/journal.pbio.0000082

Quellen [Bearbeiten]

1.      E Jablonka, Lamb MJ and Lachmann M: Evidence, mechanisms and models for the inheritance of acquired characteristics. In: J. Theoret. Biol.. 158, Nr. 2, September 1992, S. 245268

2.      http://www.nature.com/nature/journal/v403/n6765/fig_tab/403041a0_F2.html

Weblinks [Bearbeiten]

Bild:BarrBodyBMC Biology2-21-Fig1.jpg
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Description

Deutsch: Zellkerne aus normalen und verschiedenen krankhaft veränderten menschlichen, weiblichen Fibroblasten wurden mit dem DNA-Farbstoff Dapi (blau) angefärbt, um das Barr Körperchen, also das inaktive X-Chromosom anzufärben (Pfeil). Außerdem wurden verschiedene Histonmodifikationen beziehungsweise eine Sonderform eines Histons (macroH2A) mit Antikörpern nachgewiesen (grün). In A sind solche nachgewiesen, die am Barr-Körperchen nicht vorkommen, während jene in B dort besonders angereichert sind.

English: Original figure legend: The interphase inactive X in normal and mutant cells: histone modification and macroH2A1 association. Photomicrograph examples of normal, ICF, and Rett fibroblasts that were FITC-labeled using antisera to various modified histones. Arrows point to sex chromatin on DAPI-stained cells, and to the corresponding sex chromatin site in the FITC-labeled photo. A. Normal, ICF, and Rett fibroblasts FITC-labeled using antisera to acetylated histone H4 (acH4), acetylated histone H3 (acH3), and dimethylated K4 histone H3 (meK4H3). Note that the sex chromatin body is not stained by these antibodies and appears as a hole or a gap that occasionally contains a prominent dot (see insets). This FITC-stained dot appears to correspond to the DXZ4 domain, as described in the text. B. Normal and ICF fibroblasts labeled with antibody to dimethylated K9 histone H3 (meK9H3) and macrohistone H2A1 (macroH2A).

Source

BMC Biology 2004, 2:21 doi:10.1186/1741-7007-2-21

Date

20 September 2004

Author

Stanley M Gartler, Kartik R Varadarajan, Ping Luo, Theresa K Canfield, Jeff Traynor, Uta Francke and R Scott Hansen

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ARTE Wissenschaft-Montag, 19. Februarr 2007 um 22.15 Uhr

 

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Formularende

Das Gedächtnis der Gene

Eine Dokumentation von Nigel Paterson

Die Epigenetik beschäftigt sich mit der Wirkung von Genen auf das physische Erscheinungsbild eines Organismus. Aber bleibt am Ende mehr zu analysieren als nur der genetische Code? Können auch menschliche Entscheidungen, Handlungen und Lebensstile Einfluss auf unsere Nachkommen haben? Diesen Fragen geht die Dokumentation auf den Grund.

Dokumentation, Großbritannien 2005, ARTE F


Die Dokumentation erkundet das Gedächtnis der Gene, jene verborgene Erbschicht, die in jeder Zelle des Körpers liegt. Im Hinblick auf zahlreiche Themen, von der künstlichen Befruchtung über das posttraumatische Stresssyndrom bis hin zur Nahrung, die frühere Generationen zu sich nahmen, könnte die durchaus umstrittene Wissenschaft der Epigenetik das Verständnis von Vererbung grundlegend verändern.

Im Zentrum dieses neuen Forschungsgebiets steht die einfache, aber heftig diskutierte Vorstellung, dass Gene über ein "Gedächtnis" verfügen. Dass das Leben unserer Großeltern - die Luft, die sie atmeten, die Nahrung, die sie zu sich nahmen, ja sogar, was sie sahen - ihre Nachkommen, noch Jahrzehnte später unmittelbar beeinflussen kann, obwohl die diese Dinge selbst nie erfahren haben.

Die Epigenetik steht für eine Abkehr von der herkömmlichen Vorstellung, dass die DNA die gesamte Erbinformation enthalte und dass nichts, was ein Mensch in seinem Leben tut, biologisch an seine Kinder weitergegeben werde. Die meisten Wissenschaftler empfinden diese Lehre als Ketzerei, denn sie stellt die bisherige Betrachtungsweise der DNA-Sequenz als Grundstein der modernen Biologie infrage. Doch Wissenschaftler haben nun eine ganz neue Grundlage der Vererbung jenseits der DNA entdeckt. Sie konnten nachweisen, dass die Gene ihrerseits der Kontrolle epigenetischer "Schalter" unterliegen, die von Umwelteinflüssen wie Nahrung und Stress ein- und ausgeschaltet werden. Aus dieser verblüffenden neuen Erkenntnis ergibt sich die Schlussfolgerung, dass die Wirkung von Umweltfaktoren vererbt werden kann.


Wiederholungen :
23.02.2007 um 15:10

 

 

Die Epigenetik beschäftigt sich mit der epigenetischen Vererbung, d. h. der Weitergabe von Eigenschaften auf die Nachkommen, die nicht auf Abweichungen in der DNA-Sequenz zurück gehen, sondern auf eine vererbbare Änderung der Genregulation und Genexpression. Eng damit verknüpft sind physiologische Prozesse der Individualentwicklung von Organismen, die besonders in der Zwillingsforschung untersucht werden. In beiden Fällen geht es vornehmlich darum zu verstehen, wie Information über die Genregulation, die nicht in der DNA-Sequenz codiert ist, von einer Zell- oder Organismen-Generation in die nächste gelangt.

Epigenetik unterscheidet sich von der Epigenese, welche den seit langem bekannten graduellen Prozess der embryonalen Morphogenese von Organen in all ihrer Komplexität beschreibt. Jedoch basieren die essentiellen zellularen Differenzierungsprozesse der Epigenese vor allem auf epigenetischen Vererbungsmechanismen einer Zellgeneration zur nächsten. So können bereits differenzierte Zellen zu totipotenten Zellen epigenetisch "reprogrammiert" werden. Eine Ausnahme ist unter anderem das Rearrangement (die "Neuorganisation") von Genen im Immunsystem. So kann ein Organismus, der aus einer Gedächtnis B-Zelle geklont wurde, nicht alle Immunglobulinklassen erzeugen, da ein Teil der nötigen DNA zuvor irreversibel, genetisch entfernt wurde.

Spezifische epigenetische Prozesse umfassen unter anderem die "Paramutation", das "Bookmarking"", das Imprinting, das Gen-Silencing, die X-Inaktivierung, den Positionseffekt, die "Reprogrammierung", die "Transvection", maternale Effekte (paternale Effekte sind selten, da wesentlich weniger nicht-genetisches Material mit dem Spermium vererbt wird), den Prozess der Karzinogenese, viele Effekte von teratogenen Substanzen, die Regulation von Histonmodifikationen und Heterochromatin, sowie technische Limitierungen beim Klonen.

 

19.09.2003 - Medizin

Epigenetik: Vererbung ist mehr als die Summe der Gene

 

Obwohl mit der Entschlüsselung des menschlichen Erbguts der Text im Buch des Lebens nun bekannt ist, kann ihn noch immer niemand vollständig lesen. Grund dafür ist die so genannte Epigenetik: Schaltermoleküle, Eiweiße und andere Signalstoffe der Zelle bestimmen, ob und wann Gene ein- oder ausgeschaltet werden. Diese epigenetischen Veränderungen steuern die Krebsentstehung, verursachen Probleme in der Stammzelltherapie und beim Klonen und bestimmen, welche Eigenschaften vom Vater und welche von der Mutter vererbt werden. Die Erforschung epigenetischer Phänomene steht noch am Anfang – doch sie beantwortet schon jetzt viele wichtige Fragen.


Die Entschlüsselung des menschlichen Erbguts vor zwei Jahren brachte die Euphorie über die Gentechnik auf den Höhepunkt. Maßgeschneiderte Medikamente schienen zum Greifen nahe und die Gentherapie versprach Heilung für nahezu alle Krankheiten. Zu ihrem Leidwesen mussten Wissenschaftler jedoch bald feststellen, dass zum Wunder des Lebens wohl doch mehr gehört die Reihenfolge der Buchstaben in den Genen, dem Buch des Lebens. Wie kann es zum Beispiel sein, dass eineiige Zwillinge, die ja bis ins letzte Detail genetisch identisch sind, oft so unterschiedlich aussehen? Warum fangen Zellen plötzlich an, sich immer und immer wieder zu teilen, ohne dass eine Mutation, also eine Veränderung in der Gensequenz, festgestellt werden kann?

Die Antworten liefert ein Forschungszweig, der lange Zeit nicht wirklich ernst genommen worden wurde: die Epigenetik. Dieser Wissenschaftszweig untersucht nicht die Sequenz oder die Organisation der Gene, sondern wie, wann und warum sie ein- oder ausgeschaltet werden. Auch wenn die Epigenetik keine ganz neue Wissenschaft ist, kennen die Forscher deren Hauptdarsteller erst seit wenigen Jahren. Direkt am Geschehen, also an der Erbsubstanz DNA, sorgen kleine chemische Schaltergruppen für die Formatierung im Buch des Lebens: Sie können ganze genetische Kapitel so verändern, dass sie nicht mehr lesbar sind, sie können in anderen Kapiteln die Schriftgröße vergrößern und sie somit betonen, und sie können sogar neue Informationen erzeugen, indem sie auf entferntere Kapitel verweisen.

 

 

 

5.01.2006 - Genforschung

Was Väter und Großväter ihren Nachkommen mitgeben

 

Auch bei Männern können sich Einflüsse des Lebensstils auf Söhne und Enkel auswirken

Männer beeinflussen durch ihren Lebensstil nicht nur ihre eigene Gesundheit, sondern auch die ihrer Söhne und sogar die ihrer Enkel. Darauf deuten nach Ansicht eines schwedisch-britischen Forscherteams die Ergebnisse zweier großer Studien hin. So haben Väter, die sehr früh mit dem Rauchen begonnen haben, überdurchschnittlich dicke Söhne, aber normalgewichtige Töchter. Auch eine Hungerperiode in der Jugend kann den männlichen Nachkommen einen Stempel aufdrücken: Die Enkel von Männern, die im Alter von etwa 10 Jahren hungerten, haben eine ungewöhnlich hohe Lebenserwartung. Einen solchen Effekt über mehrere Generationen kannten Wissenschaftler bislang nur aus der weiblichen Linie, berichtet das Wissenschaftsmagazin "New Scientist".


Marcus Pembrey vom University College in London und seine schwedischen Kollegen analysierten für ihre Untersuchung die Daten einer groß angelegten britischen Studie an Eltern und Kindern aus den 90er Jahren und historische Berichte aus einer abgelegenen schwedischen Region. In beiden Fällen fanden die Forscher einen Zusammenhang zwischen der Lebensweise eines Mannes vor seiner Pubertät und der Gesundheit seiner Nachkommen: Frühes Rauchen beeinflusste das Gewicht der Söhne und frühes Hungern die Lebensspanne der Enkel.

Dass der Lebensstil von Müttern und Großmüttern einen Einfluss auf ihre weiblichen Nachkommen haben kann, war bereits aus früheren Studien bekannt. Die neuen Ergebnisse seien jedoch der erste Hinweis auf eine Vererbung solcher Gesundheitseffekte über die männliche Linie, kommentieren die Forscher. Verantwortlich dafür sind ihrer Ansicht nach so genannte epigenetische Veränderungen des Erbguts: Im Lauf des Lebens werden an die Erbsubstanz verschiedene chemische Schalter und Kontrollmoleküle angelagert, die ganze Abschnitte dauerhaft aktivieren oder auch stilllegen können. Die Folgen dieser Veränderungen sind vielfältig und können von einer erhöhten Anfälligkeit für Krankheiten bis zum Ausbruch einer Krebserkrankung reichen.

Die neuen Ergebnisse legen nun nahe, dass solche Modifikationen entgegen bisheriger Annahmen von Generation zu Generation weitergegeben werden können, so die Forscher. Sollte sich diese Annahme bestätigen, hätten epigenetische Faktoren einen weit größeren Einfluss auf die öffentliche Gesundheit als bislang vermutet. Möglicherweise könne sogar die extreme Zunahme an Übergewichtigen und Diabetesfällen darauf zurückgeführt werden, kommentiert der Epigenetiker Rob Waterland die Ergebnisse.

 

 

Die kleinen Unterschiede

 

Epigenetische Faktoren verursachen Abweichungen zwischen genetisch identischen Zwillingen

Spanische Wissenschaftler haben entdeckt, warum sich genetisch identische eineiige Zwillinge manchmal recht stark voneinander unterscheiden: Obwohl sie identische Gene besitzen, sind einige Abschnitte der Erbsubstanz bei einem Zwilling aktiv und beim anderen inaktiv. Die Ursache dafür ist eine unterschiedliche Verteilung bestimmter Schaltelemente, mit denen Gene an- oder abgeschaltet werden. Da diese so genannten epigenetischen Unterschiede bei älteren Zwillingen fast viermal so häufig auftreten wie bei sehr jungen Paaren, sind sie offenbar nicht von Geburt an vorhanden, sondern entstehen erst im Lauf des Lebens. Über ihre Studie mit 80 Zwillingspaaren im Alter von 3 bis 74 Jahren berichten die Forscher um Mario Fraga vom Nationalen Krebszentrum in Madrid.


Eineiige Zwillinge entstehen aus ein und derselben Eizelle und haben daher exakt die gleiche genetische Ausstattung. Trotzdem entwickeln sich die Geschwister nicht immer gleich. So kann beispielsweise ihre Anfälligkeit für psychische oder physische Krankheiten ebenso variieren wie bestimmte körperliche Merkmale. Wissenschaftler machen für diese Abweichungen Umweltfaktoren wie die Ernährungsgewohnheiten und körperliche Aktivität verantwortlich. Wie diese Faktoren genau auf das Erbgut einwirken, konnten sie allerdings bislang nicht erklären.

Bereits seit längerer Zeit stehen jedoch epigenetische Veränderungen im Verdacht, die Rolle des Mittlers zwischen Umwelt und Genen zu spielen. Solche Modifikationen, zu denen an der Erbsubstanz angebrachte Schaltergruppen und Veränderungen bestimmter Eiweiße im Zellkern gehören, regulieren nämlich die Aktivität verschiedener Erbgutabschnitte und könnten daher auch das äußere Erscheinungsbild eines Menschen beeinflussen. Um diese These zu testen, analysierten die Forscher um Fraga das Erbgut der Zwillingspaare und verglichen, wie viele Schalter sich an der DNA jedes Zwillings befanden und wie stark die zentralen Eiweiße des Zellkerns verändert waren. Das Ergebnis: Bei einem Drittel der getesteten Paare wichen Anzahl und Verteilung der Schaltelemente sowie der Grad der Proteinveränderung zwischen den Geschwistern deutlich voneinander ab.

Besonders ausgeprägt waren diese Unterschiede bei älteren Zwillingen und bei Paaren, die eine längere Zeit nicht zusammengelebt hatten. Ganz junge Paare waren dagegen epigenetisch nahezu identisch, schreiben die Forscher. Sie vermuten, dass sowohl Umweltfaktoren als auch innere Einflüsse die epigenetischen Profile prägen. Möglicherweise sammeln sich auch geringfügige Veränderungen bei der Weitergabe der epigenetischen Prägung im Lauf des Alterns an. In weiteren Studien wollen die Wissenschaftler nun den genauen Mechanismus aufklären.

Mario Fraga (Nationales Krebszentrum, Madrid) et al.: PNAS, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1073/pnas.0500398102

 

 

14.02.2002 - Genforschung

Pflanzen vererben nicht nur ihre Gensequenz

 

Nicht nur die Gensequenz, sondern auch die Lage der Gene im Genom und ihre Verpackung im Zellkern beeinflussen das Aussehen von Pflanzen. Trevor Stokes und Eric Richards von der Washington University in St. Louis stellten das bei Untersuchungen an genetisch identischen Arabidopsis Pflanzen fest.


Die untersuchten Pflanzen wuchsen unter identischen Umweltbedingungen, dennoch war eine der Pflanzen wesentlich kleiner und verkümmert. Eines ihrer Gene, das zur Abwehr von Bakterien eingeschaltet wird, ist in dieser Pflanze aktiver. Die Pflanze verteidigt sich daher ständig gegen einen Bakterienangriff, der gar nicht stattfindet. Die Pflanzen verkümmern und produzieren weniger Samen.

Da die Sequenz des Resistenzgens bei allen Pflanzen identisch ist, folgern die Wissenschaftler, dass die erhöhte Aktivität des Gens durch epigenetische Faktoren, wie beispielsweise die Lage des Gens im Genom oder dessen Verpackung, verursacht wird. Stokes erklärt weiter: "Einige Teile des Zellkerns gleichen einer Wüste, in der nicht viel passiert. Andere Bereiche sind dagegen wesentlich aktiver." Gene, die in diesen "Wüsten" liegen, werden vergleichsweise weniger aktiviert als Gene in den anderen Bereichen.

In ihrer im Fachjournal Genes and Development erschienenen Studie beschreiben sie, dass diese epigenetischen Veränderungen, ähnlich wie auch die Gene, vererbt werden können. Der Phänotyp einer Pflanze, also die Summe ihrer physikalischen Charakteristiken, wird also nicht nur von der Sequenz des Genoms bestimmt.

 

 

 

Evidence, mechanisms and models for the inheritance of acquired characters

Eva Jablonka, Michael Lachmann and Marion J. Lamb§

§The Van Leer Jerusalem Institute, Albert Einstein Square, Jerusalem 91040, Israel
The Cohn Institute for the History and Philosophy of Science and Ideas, Tel-Aviv University, Tel-Aviv 69978, Israel
Mathematics Department, Tel-Aviv University, Tel-Aviv 69978, Israel

Received 1 February 1992;  accepted 27 March 1992.  Available online 21 July 2006.

Several different types of epigenetic inheritance system enable alternative functional states to be maintained in cell lineages that have identical DNA sequences. Both random and guided (directed) epigenetic variations can be transmitted by these systems, and lead to heritable modifications in cell structure and function. Although it is usually assumed that epigenetic inheritance does not occur between generations, both old and new experimental evidence suggest, and in some cases show explicitly, that epigenetic variations can be transmitted from parents to progeny. Simple models of epigenetic inheritance in asexual and sexual organisms are presented. These show that in populations of asexual unicellular organisms, the distinctive properties of induced epigenetic variations mean that the variations may be retained for many generations after the inducing stimulus is removed, even in the absence of selection. The models also show that the epigenetic systems enable some types of acquired character to be inherited in sexual, as well as asexual, organisms. The importance of epigenetic inheritance systems in the evolution of multicellularity is discussed.

 

 

 

 

 

 

FIGURE 2. The 'histone code' hypothesis.

From the following article:

The language of covalent histone modifications

Brian D. Strahl and C. David Allis

Nature 403, 41-45(6 January 2000)

doi:10.1038/47412

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Histone modifications occur at selected residues and some of the patterns shown have been closely linked to a biological event (for example, acetylation and transcription). Emerging evidence suggests that distinct H3 (red) and H4 (black) tail modifications act sequentially or in combination to regulate unique biological outcomes. How this hierarchy of multiple modifications extends (depicted as 'higher-order combinations') or how distinct combinatorial sets are established or maintained in localized regions of the chromatin fibre is not known. Relevant proteins or protein domains that are known to interact or associate with distinct modifications are indicated. The CENP-A tail domain (blue) might also be subjected to mitosis-related marks such as phosphorylation; the yellow bracket depicts a motif in which serines and threonines alternate with proline residues.

 

 

Tumor- Epigenetik

Epigenetische Analyse durch einen Oligonukleotid-Array. Das Bild zeigt einen Ausschnitt aus einem Pilot-Array, der zur Etablierung von Bedingungen für die Kartierung genomischer Methylierungsmuster verwendet wurde (in Zusammenarbeit mit der Abteilung Hoheisel, DKFZ).

 

Abweichende DNA-Methylierungsmuster stellen eines der frühesten und konsistentesten Merkmale von Krebszellen dar. Insofern erlaubt der Nachweis und die Klassifizierung tumorspezifischer DNA-Methylierungsmuster neue Möglichkeiten in der Krebsdiagnostik. In einem ersten Schritt zur Analyse von DNA-Methylierungsmustern in Krebspatienten haben wir eine sensitive Methode zur verläßlichen Quantifizierung des genomischen Merthylierungsniveaus mittels Kapillarelektrophorese etabliert. Diese Methode wird gegenwärtig für eine Vielzahl von Projekten genutzt. Darüberhinaus etableiren wir derzeit einen epigenetischen Microarray. Dieser “Biochip“ wird es uns erlauben, genomweite DNA-Methylierungsmuster umfassend zu charakterisieren und wird somit die Daten zum Verständnis von tumorspezifischen Veränderungen in den DNA-Methylierungsmustern liefern. Darüberhinaus setzen wir unsere Methoden auch ein, um die durch demethylierende Chemotherapeutika induzierten epigenetischen Veränderungen nachzuweisen.


Die Hypermethylierung von Tumorsuppressorgenen und anderen Krebsgenen steht mit der Entartung von Zellen in einer engen Verbindung. Die entsprtechenden Veränderungen in den epigenetischen Modifikationsmustern sind deshalb auch als “Epimutationen“ bezeichnet worden. Im Unterschied zu den klassischen, genetischen Mutationen sind Epimutationen prinzipiell umkehrbar. Diese Umkehrung kann durch eine pharmakologische Inhibition von DNA-Methyltransferasen herbeigeführt werden. Insofern eröffnen DNA-Methyltransferase-Inhibitoren neue Möglichkeiten in der Krebsbekämpfung. Wir verwenden verschiedene Ansätze, um Verbindungen zu identifizieren, die in der Lage sind, menschliche DNA-Methyltransferasen zu inhibieren. Wir tetsten eine Reihe von Kandidaten in vitro und in Zellkultursystemen, auf ihre pharmakologische Wirksamkeit. Eine Verbindung, RG108 wurde inzwischen eingehend charakterisiert und zeigte sich in der Lage, epigenetisch stillgelegte Tumorsuppressorgene zu reaktivieren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Forscher im Gespräch #3

 

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Formularende

Carlo Rovelli

Physiker und Professor an der Universität Méditerranée, Forscher am CNRS in Marseille, er ist ausserdem Gastprofessor für Philosophie an der Universität von Pitthsburg. Auf Carlo Rovelli gehen viele grundlegende Beiträge zur theoretischen Physik, insbesondere zur Quantengravitation (Quantum Gravity / Quantum Loop Gravity / QLG) zurück, als deren führender Vertreter er gegenwärtig gilt.

Von Bologna über Pittsburgh nach Marseille
Carlo Rovelli ist Professor für Theoretische Physik an der Université de la Méditerranée in Marseille, Leiter des Zentrums für Quantengravitation und Gastprofessor an der Universität Pittsburgh. In Marseille unterrichtet er Diplomanden im Hauptstudium in Einsteins Relativitätstheorie. In seiner für ein breiteres Publikum bestimmten Vorlesung „Ursprünge der Wissenschaft“ behandelt er ebenfalls allgemeine Fragen der Wissenschaftsgeschichte.

Rovelli wurde 1956 in Verona geboren. Er studierte in Bologna und Padua, wo er seine wissenschaftliche Karriere begann. Dann arbeitete er zehn Jahre im Fachbereich Physik der Universität Pittsburgh (USA). Dort knüpfte er enge Kontakte zum Bereich Philosophie. Seit sieben Jahren arbeitet er in Marseille.


Über Quantengravitation
Nach Auffassung von Marc Lachièze-Rey, dem Gast der vorigen Nummer von Forscher im Gespräch, versucht die Quantengravitation (Rovellis Spezialgebiet) vor allem deshalb über die allgemeine Relativitätstheorie und die Quantenmechanik hinauszugehen, um den Gegensatz zwischen diesen beiden Theorien zu überwinden, die die Physik heute beherrschen.

Die Quantenmechanik beschreibt kleine Objekte wie Moleküle, Atome usw. Sie hat unsere Auffassung von der Materie verändert: Man stellt sich die Materie nicht mehr als ein aus „klassischen“ Teilchen bestehendes Ganzes vor. Die Materie ist etwas Komplizierteres geworden: Wellen und Teilchen zugleich.

Die allgemeine Relativitätstheorie handelt von Zeit und Raum. Einstein hat entdeckt, dass der Raum gekrümmt ist. Der Raum, der in der Euklidischen Geometrie immer als starre, dreidimensionale Struktur beschrieben wurde, ist gekrümmt und in Bewegung.

Die beiden großen Theorien stehen, zumindest dem Schein nach, im Widerspruch zueinander, denn jede der beiden wird formuliert, als existiere die andere nicht. In der allgemeinen Relativitätstheorie wird der Granular- (Wellen-, Teilchen-) Aspekt nicht berücksichtigt, den die Quantenmechanik hervorhebt, die ihrerseits formuliert wurde, als wenn der Raum flach wäre.

Dies hält Rovelli für unzureichend: Man müsse einen begrifflichen Rahmen finden, der den Widerspruch in den Schlussfolgerungen der beiden Theorien auflöst. Das ist Gegenstand seiner Arbeit.

Da sich der Raum Einstein zufolge in Bewegung befindet und da der Quantenmechanik zufolge alles, was sich bewegt, granular (körnig) ist, könne angenommen werden, dass der Raum selbst eine granulare Struktur hat. Man brauche also eine Theorie, die die Natur der „Körnchen“ erklärt, aus denen der Raum besteht. Auf diesem theoretischen Ansatz beruht Rovellis Schleifenquantengravitation (LQG: Loop Quantum Gravity). Der Physiker hat Gleichungen aufgestellt, die beschreiben, wie sich diese Körnchen bewegen, wie sie miteinander verbunden sind. Anhand dieses Basismaterials hat Rovelli sogar den Raum-Zeit-Zusammenhang beschrieben.


Die Entwicklung der Begriffe Raum und Zeit
Die Begriffe Raum und Zeit haben sich stets weiterentwickelt! Wir stellen uns den Raum als Schachtel vor, in der sich die Dinge befinden, und wir glauben, diese Vorstellung sei natürlich. In Wirklichkeit aber stammt sie von Newton. Vor ihm, von den Alten Griechen bis zu Descartes, herrschte eine ganz andere Auffassung vom Raum vor: Man glaubte, es gebe keinen von den Gegenständen unabhängigen Raum. Aristoteles wie Descartes definierten den Raum als eine Struktur, die die Gegenstände untereinander organisiert, als eine Beziehung zwischen den die Wirklichkeit bildenden Gegenständen. Newton lehnte dieses Konzept mit dem Argument ab, dass der Raum auch ohne die Gegenstände, die Materie, existiere. Unsere Vorstellung unterliegt einem steten Wandel.

Was geschah im 20. Jahrhundert? Man kehrte gewissermaßen zu einem vor-newtonschen Raumbegriff zurück. Einstein vertrat den Gedanken, dass bei Wegfall des Gravitationsfeldes, das heißt des Raumes, nichts übrig bleibe. Der Raum wurde abermals als die Gesamtheit der Gegenstände, Teilchen oder Felder angesehen.

Da Raum und Zeit in besonderem Maße Gegenstand philosophischer Betrachtung sind, kann man sich fragen, welche Rolle die Wissenschaftsphilosophie bei der Entwicklung der Grundbegriffe der Wissenschaften spielt. Carlo Rovelli hält die Trennung zwischen den Disziplinen für zu stark und für schädlich. Lange Zeit waren Wissenschaft und Philosophie eng benachbarte Gebiete, und trotz ihrer unterschiedlichen Methoden gab es einen ununterbrochenen Austausch. Doch in den 1930er-Jahren brach der Dialog zwischen den Grundlagenwissenschaften und der Philosophie ab. Der Hauptgrund war, dass die Wissenschaft nach der konzeptuellen Revolution zu Anfang des Jahrhunderts den Akzent darauf legte, die theoretischen Entdeckungen anzuwenden. Die Physik wurde pragmatischer und schüttelte die Philosophie ab, nachdem ihr theoretischer Rahmen festgelegt war.

Heute, rund 60 Jahre danach, ist die rein anwendungsorientierte Physik passé. Jetzt beschäftigt man sich wieder mit Grundlagenphysik, und die Debatte um die Begriffe Zeit und Raum ist wieder eröffnet. Es geht darum, eine neue Vorstellung von der Welt zu entwickeln, und dafür ist ein philosophischer Ansatz unentbehrlich, denn gerade die Philosophen verfügen über die geforderte Präzision des Denkens und können den Wissenschaftlern die von ihnen benötigten Neuerungen bringen.

Die Philosophie ihrerseits beginnt sich wieder für die Grundlagenwissenschaften zu interessieren. Die positivistische Illusion einer unfehlbaren und allmächtigen Wissenschaft, die angeblich den Fortschritt bringt, ist zerstört. Die Philosophen mussten einräumen, dass sich Newton geirrt hatte, dass seine Beschreibung des Raumes nicht definitiv war. Dies veranlasste sie, sich kritisch mit dem Wahrheitsbegriff und mit der wissenschaftlichen Praxis auseinander zu setzen. Es entstand ein neuer Wissenschaftsbegriff, zu dem sich Carlo Rovelli bekennt: Die Wissenschaft ist keine Summe absoluter Wahrheiten, sondern der Prozess, bei dem versucht wird, die Welt im Lichte des gesamten vorhandenen Wissens so wirkungsvoll wie möglich zu beschreiben. Merkmal der Wissenschaft ist ihre Fähigkeit, ihre eigenen Schlussfolgerungen ständig in Frage zu stellen. In diesem Sinne sind die wissenschaftlichen Wahrheiten immer vorläufig, sie stehen für eine Weltauffassung, die selbst einer bestimmten Epoche entspricht. Die Grundlage der Wissenschaft ist nicht die Gewissheit, sondern im Gegenteil die Ungewissheit, das Bewusstsein darüber, dass man sich immer irrt, in Unwissenheit lebt und bereit sein muss, von bestimmten Ideen Abschied zu nehmen. Häufig hängt man Ideen an, die eigentlich verworfen werden müssten und hemmt damit den wissenschaftlichen Fortschritt.

Carlo Rovelli erachtet diese wissenschaftsphilosophischen Überlegungen als notwendig und sinnvoll für Wissenschaftler, die wie er, ihr Denkgebäude erneuern müssen. Sehr nützlich war ihm dabei sein Dialog mit den Wissenschaftsphilosophen von Pittsburgh. Um Fortschritte zu erzielen, braucht die Wissenschaft die Philosophie, und die Philosophie ihrerseits muss die Wissenschaft zur Kenntnis nehmen, wenn sie nicht von dem riesigen Wissen abgeschnitten sein will, das unsere Zivilisation ausmacht.

Für Carlo Rovelli müssen erkenntnistheoretische Überlegungen die wissenschaftliche Praxis begleiten und nicht bloß im Nachhinein die Arbeit rekonstruieren, die zu den Entdeckungen führt. Jeder Wissenschaftler sollte sich der methodologischen und erkenntnistheoretischen Voraussetzungen bewusst sein, von denen er ausgeht. Rovelli hält einen großen Teil der gegenwärtigen theoretischen Physik für falsch, da diese unter dem Einfluss einer sehr verbreiteten Wissenschaftsphilosophie stehe, die besagt, dass jede Theorie, die etwas Neues erfindet, von einer generellen Änderung der Vorstellung von der Welt ausgeht. Dies sei ein Beispiel für schlechte Wissenschaftsphilosophie mit negativen Auswirkungen auf die wissenschaftliche Forschung, denn sie lege tendenziell Hypothesen zugrunde, die den derzeitigen Wissenstand nicht berücksichtigen. Das Wissen schreite auf der Grundlage des bereits Bekannten voran. Bei tieferem Ausloten der Quantenmechanik und der allgemeinen Relativitätstheorie fände man eine Möglichkeit, beide Lehren zusammenzuführen. Auch Kopernikus sei nicht eines Morgens aufgewacht und habe gesagt: „Die Erde ist nicht der Mittelpunkt der Welt, sondern die Sonne“. Stattdessen habe ihn das gründliche Studium der Lehre des Ptolemäus darauf gebracht, den Standpunkt zu wechseln und so eine schlüssigere Erklärung zu finden.

Die Ideen fallen also nicht vom Himmel, und die Wissenschaftler brauchten eine solide philosophische Bildung. Natürlich sei ein Wissenschaftler kein Philosoph und umgekehrt, aber beide müssten von Berufs wegen miteinander sprechen.


Über den „Widerstand“ gegen Neues in der Wissenschaft
Den im Allgemeinen von Psychoanalyse und Psychologie angewandten Begriff des „Widerstands“ von Individuum oder Gesellschaft gegen Neues wendet Rovelli auf das Widerstreben gegenüber innovativen wissenschaftlichen Diskursen an.
Für Rovelli ist der wissenschaftliche Diskurs per se subversiv: In jedem Zusammenschluss von Menschen findet man einerseits eine konservative Tendenz, die der Bewahrung der vorhandenen Strukturen und der Chaosvermeidung dient, und andererseits eine notwendige innovative Tendenz, ohne die wir heute noch die Pharaonen verehren würden. Beide Tendenzen finden sich auch in der Wissenschaft, die aber allein durch ihre Erneuerungskraft existiert. Die Wissenschaft setzt sich kritisch und zweifelnd mit Glaubensvorstellungen auseinander. Jedes Mal, wenn ein Wissenschaftler eine sehr von der herrschenden Weltbeschreibung abweichende Variante durchsetzen will, stößt er auf einen Widerstandsmechanismus, auf die Angst vor Neuem. Zunächst ist es schwer vorstellbar, dass die Erde rund ist oder dass wir gemeinsame Vorfahren mit dem Marienkäfer haben.

Der Widerstand kommt immer von denen, die Angst vor dem Neuen haben oder meinen, sie seien im Besitz der – ohnehin bekannten - Wahrheit. Dieser uralte Konflikt ist keineswegs beendet. Die Wissenschaft reibt sich weiterhin am Konservatismus und dessen Machtposition, denn „Wissen ist Macht“, wie bereits die Griechen erkannten: Wer also das Wissen in Frage stellt, stellt auch den in Frage, der es besitzt. Daher rühren alle Schwierigkeiten der Wissenschaft mit der Kirche, glaubt doch die Kirche, ein absolutes Wissen zu besitzen. Der Gedanke eines absoluten Wissens steht jedoch im Widerspruch zur wissenschaftlichen Wahrheitssuche als Erkenntnisprozess. In vielen Ländern wurde der Konflikt zwischen Wissenschaft und Religion stark wiederbelebt, z.B. in den USA, wo Darwins Evolutionstheorie in einigen Bundesstaaten nicht gelehrt werden darf. Auch Frankreich ist nicht völlig von dieser anti-szientistischen Welle verschont geblieben.

Rovelli hält diese Tendenz für gefährlich und unbegründet, denn sie schreibt einer Wissenschaft die Schuld zu, die sich oft irrte und in der Tat anmaßend war, die aber der Vergangenheit angehört und nicht mehr der gegenwärtigen Praxis entspricht.

Die Wissenschaft wird oft vom Standpunkt des absoluten Relativismus angegriffen, der von der Feststellung ausgeht, alle Theorien würden sich verändern und seien in diesem Sinne falsch, daher könne sich jeder seine eigene Wahrheit aussuchen, und alle Wahrheiten seien gleichwertig. Zu einer solchen Auffassung steht das wissenschaftliche Denken in diametralem Gegensatz. Keine Wahrheit ist absolut, alles kann zur Diskussion gestellt werden, aber gerade nach einer solchen Diskussion gelangen vernünftige Menschen erfahrungsgemäß zu einer Einigung. Nicht alle Schlussfolgerungen sind gleichwertig, und wenn die Protagonisten des Dialogs wirklich Klarheit anstreben, dann finden sie diese auch. Das ist die Stärke der Wissenschaft, was sich auch daran zeigt, dass alle großen wissenschaftlichen Debatten letztendlich entschieden worden sind. In diesem Sinne muss man an eine Welt glauben, in der Dialog wichtiger ist als Machtbesitz.


Wissenschaft und Fortschritt
Stellen sich die Wissenschaftler Fragen über den Sinn ihrer Tätigkeit? Ist das überhaupt ihre Sache? Kann man weiterhin davon ausgehen, dass die Wissenschaft Fortschritt bringt? Darauf antwortet Carlo Rovelli, am Anfang der wissenschaftlichen Arbeit stünden keinerlei Nützlichkeitserwägungen, sondern die Neugier und der Wunsch, etwas über die Welt zu erfahren. Die Wissenschaft dürfe nie auf Wissenserwerb und Problemlösung beschränkt werden. Es gehe darum, die Gemeinsamkeiten von Wissenschaft und Kunst, Einsteins und Schuberts Weg zur Vollendung ihres Werkes herauszufinden, denn dem menschlichen Geist gehe es immer darum, die Welt um ihn herum zu begreifen. Immer könne man dabei Schönheit und Wissen entdecken. Der Unterricht müsse die Wissenschaft wieder in diesen allgemeineren Zusammenhang der menschlichen Tätigkeiten, neben Kunst, Politik usw. stellen. Damit werde man dem Sinn wissenschaftlicher Tätigkeit besser eher gerecht.

Carlo Rovelli hält die naive Vorstellung, die Wissenschaft ermögliche der Menschheit einen geradlinigen Fortschritt, für überholt. Trotz der wissenschaftlichen Vorstöße herrschten weiter Barbarei, Armut und Ungerechtigkeit. Dennoch habe die Wissenschaft eine ausschlaggebende Rolle für das Leben des modernen Menschen gespielt und immerhin einige materielle Verbesserungen verschafft. So sterbe man nicht mehr mit dreißig Jahren, und die Menschheit bestehe nicht mehr überwiegend aus armen Bauern, die allen möglichen Krankheiten ausgesetzt sind.

Der eigentliche Fortschritt, den die Wissenschaften gebracht hätten, sei aber mehr in unserer Lernfähigkeit selbst als in unseren technischen Leistungen zu suchen. Die Wissenschaft müsse uns ermöglichen, uns selbst zu verstehen, sie müsse uns dazu anregen, aus unserer Geschichte zu lernen. Sie sei weder allmächtig noch Ursache allen Übels, sondern vor allem die Tätigkeit, die uns zu dem gemacht habe, was wir sind.


Wissenschaft und Demokratie
Die Wissenschaft entstand in Griechenland, in einer Zivilisation, in der die Menschen begannen, sich Fragen über die physische Welt zu stellen und rationale Antworten zu suchen, Antworten, die auch wieder in Zweifel gezogen und durch bessere Fragen ersetzt werden konnten. Dieser Diskussionsvorgang begann vor 2 600 Jahren zur Zeit Anaximanders. Was war das Besondere an Griechenland? Hoch entwickelte Kulturen hatte es schon vorher gegeben, zum Beispiel bei den Ägyptern. Die griechische Gesellschaft jedoch organisierte sich auf völlig neue Weise. Während die anderen Gesellschaften pyramidal aufgebaut waren, war die griechische Welt in verschiedene, unabhängige Stadtstaaten aufgeteilt, innerhalb derer die Macht zwischen den Bürgern ständig neu verhandelt wurde und nicht in den Händen eines allmächtigen Königs lag. Das war eine diskutierfreudige Gesellschaft, in der die Macht dem zukam, der fähig war, die anderen zu überzeugen. Das ist das Ziel der Demokratie und gleichzeitig der Beginn der Wissenschaft. Beide fallen zusammen. Anaximander stellte die Schlussfolgerungen seines Lehrers Thales in Frage, wie seine eigenen Schüler später die seinen.

Dieses weise Prinzip leitet auch heute die Wissenschaft: Die Wahrheit findet sich nicht in Büchern, und die beste Entscheidung trifft nicht ein einzelner, sondern sie entspringt der kollektiven Diskussion. Jeder muss sprechen dürfen, alle Ideen müssen berücksichtigt und alle Argumente geprüft können. Wissenschaft ist eng mit Toleranz und Achtung der Argumente, auch der gegnerischen, verbunden. Doch diese Vorstellung von Wissenschaft, diese Wertschätzung des Dialogs, können durchaus nicht allgemein vorausgesetzt werden. Diesen Geist der Toleranz mahnt Carlo Rovelli für unsere Epoche an.

 

 

 

 

Hallo Thomas,
diesen Text erhielt ich vor kurzem. Ich habe mich an Deine Frage erinnert, vielleicht ist dies etwas befriedigerendes für Dich? Ich habe keine private e-mail von Dir gefunden, so mußt du dich eben hier mit dem langen Text beschäftigen.
Außerdem, mit Deiner Frage bist Du nicht allein. Ich habe manchmal das Gefühl, wir haben nicht mehr so viel Zeit, individuell mit jedem Einzelnen zu arbeiten. Die Entwicklung und Heilung MUß schneller gehen. Mich hat der Text dazu sehr ermutigt.

Forschende, schnell heilende Grüße
Vibhuta

S HO`OPONOPONO von Joe Vitale

Vor zwei Jahren hörte ich von einem Hawaiianischen Therapeuten, der eine ganze Station von kriminellen Geisteskranken heilte, ohne jemals einen von ihnen gesehen zu haben. Der Psychologe studierte die Krankenakte eines Insassen um danach in sich selbst herauszufinden, wie er die Krankheit dieses Menschen erschaffen hatte.

In dem Maße, wie er an sich Fortschritte machte, ging es den Patienten besser. Als ich die Geschichte erstmals hörte, dachte ich, es sei eine moderne Legende. Wie konnte jemand jemand anderen dadurch heilen, dass er sich selbst heilte? Wie könnte selbst der beste Selbstheilungs-Meister die kriminellen Geisteskranken heilen? Das machte überhaupt keinen Sinn. Es war unlogisch und so tat ich die Geschichte einfach ab.

Jedoch hörte ich sie ein Jahr später erneut. Ich hörte, dass der Therapeut ho`oponopono angewandt hatte, einen Hawaiianischen Heilungsprozess. Ich hatte zwar noch nie etwas davon gehört, doch es ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Wenn die Geschichte überhaupt wahr sein sollte, musste ich mehr wissen.

Ich hatte unter „volle Verantwortung“ immer verstanden, dass ich für das verantwortlich bin, was ich denke und tue. Jenseits davon, entzieht es sich meinem Einflussbereich. Ich glaube, dass die meisten Menschen volle Verantwortung in dieser Art verstehen. Wir sind für das verantwortlich, was wir tun, nicht dafür, was irgend jemand anderes tut – aber das ist falsch.

Der Hawaiianische Therapeut, der jene geisteskranken Leute geheilt hatte, sollte mir eine fortgeschrittene neue Sichtweise über volle Verantwortung vermitteln. Sein Name ist Dr. Ihaleakala Hew Len. Wir haben bei unserem ersten Telefonat vermutlich eine Stunde lang miteinander gesprochen.

Ich bat ihn, mir die gesamte Geschichte seiner therapeutischen Arbeit zu erzählen. Er erklärte, dass er im Staatskrankenhaus von Hawaii arbeitete.

„Diese Station, auf der sich die kriminellen Geisteskranken befanden, war gefährlich. Psychologen verließen sie nach einem Monat. Die Belegschaft meldete sich oft krank oder ging einfach. Die Leute gingen aus Angst, von den Insassen angegriffen zu werden, mit dem Rücken zur Wand durch die Station. Es war kein angenehmer Ort um zu leben, zu arbeiten oder um ihn zu besuchen.“

Dr. Len sagte mir, dass er nie Patienten sah. Er stimmte zu, ein Büro zu haben und die Krankenakten durchzusehen. Während er die Krankenakten ansah, arbeitete er an sich selbst. Und in dem Maße, in dem er an sich arbeitete begannen die Patienten zu heilen.

„Nach einigen Monaten wurde Patienten, die vorab gefesselt werden mussten, gestattet sich frei zu bewegen“ sagte er mit. Andere, die stark unter Medikamenteneinfluss gesetzt werden mussten, konnten diese absetzen. Und jene, die nie eine Chance hatten, je entlassen zu werden, wurden befreit. Ich war voll Ehrfurcht. Doch nicht nur das, er machte weiter und das Personal fing an gerne zur Arbeit zu kommen.

Fehltage und Fluktuation verschwanden. Wir hatten schließlich deutlich mehr Personal als wir benötigten, weil Patienten entlassen werden konnten und alle Beschäftigten bei der Arbeit erschienen. Heute ist diese Krankenhausabteilung geschlossen.

Und dies ist der Augenblick in dem ich die Millionen-Dollar-Frage stellen musste: Was taten sie in sich selbst, das jene Menschen veranlasste, sich zu verändern?

„Ich habe lediglich jenen Teil in mir geheilt, der sie geschaffen hatte“, sagte er.

Ich verstand das nicht. Dr. Len erklärte mir, dass ‚volle Verantwortung’ für dein Leben eben bedeutet, dass du für alles in deinem Leben – einfach weil es in deinem Leben ist – verantwortlich bist. Buchstäblich die ganze Welt ist deine Schöpfung.

Wow. Das ist hart zu schlucken. Verantwortlich zu sein für das, was ich sage oder tue ist eine Sache. Verantwortlich zu sein für das, was jedermann in meinem Leben sagt oder tut, ist schon etwas anderes. Doch, die Wahrheit ist diese: wenn du volle Verantwortung für dein Leben übernimmst, dann bist du für alles, was du siehst, hörst, schmeckst, spürst, berührst oder in irgend einer Weise erfährst verantwortlich, weil es in deinem Leben ist.

Dies bedeutet, dass bei terroristische Aktivitäten, dem Präsidenten, der Wirtschaft oder egal was du erfährst und nicht magst – du zuständig bist, es zu heilen. Sie existieren gewissermaßen lediglich als Projektionen aus deinem Inneren. Das Problem sind nicht sie, das Problem bist du und um sie zu ändern musst du dich ändern.

Ich weiß, dies ist schwer zu fassen, allein schon es anzunehmen, geschweige denn tatsächlich zu leben. Zu beschuldigen ist bei weitem einfacher, als volle Verantwortung zu übernehmen. Doch während ich mit Dr. Len sprach, begann ich zu begreifen, dass „heilen“ für ihn und in ho’oponopono bedeutet, dich selbst zu lieben.

„Wenn du dein leben verbessern möchtest, musst du es heilen. Wenn du jemanden kurieren möchtest, selbst einen kriminellen Geisteskranken, so tust du es indem du dich selbst heilst.“

Ich fraget Dr. Len wie er vorging, wenn er sich selbst heilte. Was genau tat er, wenn er die Patientenakten auschaute.?

„Ich wiederholte lediglich ohne Unterlass „es tut mir leid“ und „ich liebe dich“, erklärte er.

„Ist das alles?“

„Das ist alles.“

Dich selbst zu lieben ist der beste Weg, selbst besser zu werden. Und indem du dich veränderst, veränderst du die Welt.

Lasst mich euch schnell ein Beispiel dafür geben, wie dies funktioniert: eines Tages schickte mir jemand eine Mail, die mich ärgerte. In der Vergangenheit wäre ich damit in der Weise umgegangen, dass ich an meinen emotionalen Alarmknöpfen gearbeitet, oder versucht hätte die Person, die die Nachricht gesandt hatte, zu verstehen.

Dieses mal entschied ich mich, Dr. Lens Methode auszuprobieren. Ich wiederholte leise „Es tut mir lei“ und „Ich liebe dich“, ohne es jemand bestimmtem zu sagen. Ich rief lediglich den Geist der Liebe auf, um in mir das zu heilen, was die äußeren Umstände geschaffen hatte.

Innerhalb einer Stunde erhielt ich eine Mail von derselben Person. Er entschuldigte sich für die vorhergehende Nachricht. Bedenke, dass ich keinerlei äußerliche Handlung unternommen hatte, um eine Entschuldigung zu erhalten. Ich habe nicht einmal geantwortet. Dennoch heilte ich irgendwie in mir das, was ihn erschaffen hatte, indem ich sagte „ich liebe dich“.

Später besuchte ich einen ho’oponppono Workshop, der von Dr. Len geleitet wurde. Er ist jetzt 70 Jahre alt, wird als großväterlicher Schamane betrachtet und ist etwas scheu.

Er lobte ein Buch, das ich geschrieben hatte, „Der Anziehungsfaktor“. Er sagte mir, dass in dem Maße, wie ich mich selbst verändern würde, sich auch die Schwingung meines Buches erhöhen würde und die Menschen dies beim lesen spüren würden. Kurz gesagt, mit meinem Fortschritt würden auch meine Leser Fortschritte machen.

„Und was ist mit den Büchern die bereits verkauft und draußen in Umlauf sind?“ fragte ich.

„Sie sind nicht draußen, erklärte er und überforderte meinen Verstand erneut mit seiner mystischen Weisheit. Sie sind immer noch in dir. Vereinfacht gesagt, es gibt kein draußen. Es würde ein ganzes Buch brauchen, um dies in gebührender Tiefe zu erklären.

„Es reicht zu sagen, dass wann immer du etwas in deinem Leben verbessern möchtest, es nur einen Ort gibt, wo du hinschauen brauchst: in dein Inneres. Und wenn du schaust, tue es mit Liebe.“

Mehr dazu unter http://www.hooponopono.org

 

 

 

 

Joshua Lederberg

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Joshua Lederberg

Joshua Lederberg (* 23. Mai 1925 in Montclair, New Jersey, USA) ist ein US-amerikanischer Mikrobiologe und Genetiker.

Lederberg war von 1947 bis 1954 Professor in Madison (Wisconsin), danach in Palo Alto (Californien).

1952 konnte er nachweisen, dass Bakteriophagen Teile eines Bakteriengenoms auf ein anderes Bakterium übertragen können (Transduktion).

Im gleichen Jahr führte er den Begriff Plasmid für die neben den Hauptchromsosomen vorliegende ringförmige DNA ein.

1958 erhielt er zusammen mit George W. Beadle und Edward L. Tatum Für seine Entdeckungen über genetische Neukombinationen und Organisation des genetischen Materials bei Bakterien den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin.

 

 

Conrad Hal Waddington

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Conrad Hal Waddington (* 8. November 1905 in Evesham; † 26. September 1975 in Edinburgh) war ein britischer Entwicklungsbiologe, Paläontologe, Genetiker, Embryologe und Philosoph. Er lieferte grundlegende Arbeiten zum Systembiologie.

Inhaltsverzeichnis

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Leben [Bearbeiten]

Waddington studierte an der Cambridge University, wo er lecturer in Zoologie und Fellow des Christ's College wurde. Ab 1947 war er Professor und Leiter des Instituts für Tiergenetik an der University of Edinburgh.

Seine Tochter ist die Mathematikerin Dusa McDuff, 1945 als Margaret Dusa Waddington in London geboren.

Werke [Bearbeiten]

Artikel [Bearbeiten]

  • The genetic control of wing development in Drosophila. In: J. Genet. Band 39, 1940, S. 75-139.
  • Evolution of developmental systems. In: Nature. Band 147, 1941, S. 108-110.
  • Canalisation of development and the inheritance of acquired characters. In: Nature. Band 150, 1942, S. 563-564.
  • Selection of the genetic basis for an acquired character. In: Nature. Band 169, 1952, S. 278.
  • Genetic assimilation of an acquired character. In: Evolution. Band 7, 1953, S. 118-126.
  • Genetic assimilation of the bithorax phenotype. In: Evolution. Band 10, 1956, S. 1-13.
  • Canalisation of development and genetic assimilation of acquired characters. In: Nature. Band 183, 1959, S. 1654-1655.
  • Experiments on canalizing selection. In: Genet. Res. Band 1, 1960, S. 140-150.
  • Genetic assimilation. In: Adv. Genet. Band 10, 1961, S. 257-293.

Bücher [Bearbeiten]

  • The Scientific Attitude. Pelican Books, 1941
  • How animals develop. George Allen & Unwin Ltd., London 1946
  • Organisers & genes'. Cambridge University Press, Cambridge 1947
  • Principles of Embryology. George Allen & Unwin, London 1956
  • Biological organisation cellular and subcellular. proceedings of a Symposium. Pergamon Press, London 1959
  • The ethical animal. George Allen & Unwin, London 1960
  • The human evolutionary system. In: Michael Banton (Ed.): Darwinism and the Study of Society. Tavistock, London 1961
  • Principles of development and differentiation. Macmillan Company, New York 1966
  • New patterns in genetics and development. Columbia University Press, New York 1966
  • Towards a Theoretical Biology. Edinburgh University Press, Edinburgh 1968-72, 4 Bände, als Herausgeber

 

 

 

Human Epigenome Project—Up and Running

Jane Bradbury

Citation: Bradbury J (2003) Human Epigenome Project—Up and Running. PLoS Biol 1(3): e82 doi:10.1371/journal.pbio.0000082

Published: December 22, 2003

Copyright: © 2003 Jane Bradbury. This is an open-access article distributed under the terms of the Public Library of Science Open-Access License, which permits unrestricted use, distribution, and reproduction in any medium, provided the original work is properly cited.

Abbreviations: HEP, Human Epigenome Project; MHC, major histocompatibility complex

Jane Bradbury is a freelance science news writer based in Cambridge, United Kingdom. E-mail: janeb@sciscribe.u-net.com


Epigenomics is one of the many ‘omics’ that is being talked about in the wake of the Human Genome Project. But what is an epigenome, and why have the Wellcome Trust Sanger Institute (Hinxton, United Kingdom) and Epigenomics AG (Berlin, Germany) recently announced the launch of the Human Epigenome Project (HEP), a five-year undertaking during which DNA methylation sites throughout the human genome will be mapped? The HEP is the brainchild of immunogeneticist Stephan Beck of the Sanger Institute and Alexander Olek, chief executive officer of Epigenomics AG. The Human Genome Project, explains Olek, ‘provided the blueprint for life, but the epigenome will tell us how this whole thing gets executed’, what determines when and where genes are switched on and off to produce a person. And knowing more about the human epigenome may provide clues to what goes wrong in cancer and other diseases.

What Is Epigenetics?

Most people have a fair idea of what is meant by genetics. They know that characteristics such as eye colour are specified by the DNA sequence within their genome. But not everything is that simple. For example, genetically identical twins can be very different. ‘One might be normal, while the other is autistic’, explains chromatin researcher David Allis (Rockefeller University, New York, United States). ‘We can't explain that on the basis of pure genetics because the DNA is identical. Something else must be at play’.

The Human Genome Project … ‘provided the blueprint for life, but the epigenome will tell us how this whole thing gets executed’.

That ‘something else’ is chemical modifications of genes that are heritable from one cell generation to the next and that affect gene expression but do not alter the DNA sequence. Epigenetic modifications can affect the DNA itself or the proteins that package the DNA into chromatin. Developmental geneticist Wolf Reik (The Babraham Institute, Cambridge, United Kingdom) describes these modifications as ‘red and green traffic lights that are superimposed on top of the genome to tell the genes whether they should be active or inactive’. For individual cells, this code on top of a code helps to determine whether a cell is a blood cell, a fat cell, or something else. And in the case of monozygotic twins, unexpected differences may result from chance variations in this superimposed code (Box 1).

The study of these modifications—what they are, how they are laid down, and the processes that they control—is the field of research known as epigenetics. An epigenome is the description of these modifications across the whole genome, but unlike the genome DNA sequence, each organism has multiple epigenomes—for example, in different cell types—that may change during its lifetime in response to environmental cues.

DNA Methylation

Methylated DNA was the first epigenetic mark to be discovered. That this epigenetic modification is important is suggested by the waves of demethylation and de novo (new) methylation that occur at specific stages during the development of an animal from a fertilised egg. Soon after fertilisation, there is a massive active loss of methylation from the paternal genome, explains Reik. At the same time, the maternal genome loses some methyl groups through passive demethylation. ‘We think this process erases all the epigenetic memory in the gametes [sperm and egg cells] except for some special imprinted genes whose expression depends on whether they are of maternal or parental origin’, says Reik. Later in development, widespread de novo DNA methylation occurs in a process known as reprogramming. De novo methylation rarely occurs after an early developmental event known as gastrulation, except in cancer cells where special unmethylated regions of the genome, known as CpG islands, often become methylated.

‘People generally agree that DNA methylation is important for imprinting and reprogramming’, says Reik, ‘but not everyone agrees that it plays a role in DNA activation and inactivation during development’, a role first proposed more than 25 years ago. ‘People are still hesitant about saying that DNA methylation is important in making sure the right genes are expressed in the right cells at the right time because until recently we have had relatively few good examples’, says DNA methylation expert Adrian Bird (The Wellcome Trust Centre for Cell Biology, Edinburgh, United Kingdom). Many people have reported correlations between methylation states and gene activity but, says Reik, ‘you can look at such correlations until the cows come home and it tells you nothing about causality’.

The HEP Pilot

Even given the doubts about the exact role of DNA methylation, Bird, Allis, and Reik believe that mapping methylation patterns across the human genome, which is what the HEP plans to do, is a worthwhile albeit enormous undertaking. ‘Knowing the methylation sequence’, says Bird, ‘will be an essential backdrop to future research on DNA methylation and its biological effects’. Allis agrees that DNA methylation is an important part of epigenetic marking, but ‘although mapping DNA methylation patterns is the logical and good place to start, by its lonesome it won't explain the whole epigenetic phenomenon’.

Beck and Olek began thinking about mapping the human epigenome more than five years ago. Even as long ago as 1998, explains Olek, ‘it was pretty natural to be thinking about what would come after the Human Genome Project, and Stephan believed that it had to be methylation sequencing because that has the potential to tell us about the hundreds of genomes we really have’.

Figure 1. Spot the Difference: Same Genes but a Different Kink in the Tail

(Photograph courtesy of Emma Whitelaw, University of Sydney, Australia.)

In October 2000, the Human Epigenome Consortium (the Sanger Institute, Epigenomics AG, and the Centre National de Génotypage in Evry, France) started a European Union-funded pilot project to map the methylation sites within the major histocompatibility complex (MHC) region in seven different human tissues. Rather than look at all the DNA methylation sites throughout the entire MHC region, the consortium set out to look at the 150 expressed genes within this region, explains Beck. For each gene, the scientists chose two areas to analyse for methylation, each about 500 basepairs long. ‘One window was in what we thought was the promoter region’, says Beck, ‘and the other corresponded to the most CpG-rich region in the gene’. The promoter regions are the places where the elements that control gene expression are often located, and DNA methylation occurs at cytosine residues within CpG motifs, hence the choice of CpG-rich regions.

The methylation status of more than 100, 000 sites was determined during the three-year pilot study and the results analysed to show where there were methylation differences in the MHC between different tissues (Figure 2). ‘We found major methylation differences between loci and between tissues’, says Beck, ‘and we are particularly interested in what we call methylation variable positions (MVPs), which we believe will advance our ability to understand and diagnose human disease’. Olek echoes Beck's satisfaction with the results to date. ‘We can see that there is hidden treasure in the data that needs mining, and that treasure is obviously going to get much bigger when we sequence the whole thing’, he says.

Figure 2. Example of HEP Methylation Data for the BAT8 Gene, an MHC-Linked Histone Methyltransferase

In this case, two regions marked in red were analysed in 31 samples (rows) from seven tissues (blocks of rows). The predicted structure of the gene is shown below with coloured boxes indicating the exons. As part of the launch of the HEP on October 7, 2003, these data and others, together with experimental details of the pilot study, were released at www.epigenome.org.

On to the Full HEP: A Public/Private Initiative

That endeavour—the mapping of DNA methylation sites in all 30,000 human genes in around 200 samples—is now underway. ‘These will be very carefully chosen’, says Olek, ‘with the help of additional academic centres who we hope will join our consortium’. Sample preparation and amplification will be done at Epigenomics AG, the Sanger Institute will do the sequencing and raw data analysis, and then the data will be jointly evaluated and mined, ‘a huge collaborative experiment’, says Olek.

The Wellcome Trust and Epigenomics AG are jointly funding phase I of the HEP, thus avoiding a rerun of the situation that occurred in the Human Genome Project, in which a commercial company and a public effort ended up competing with each other. An agreement has been drawn up that ensures that both partners benefit from the collaboration, and all the data generated will be publicly available through the Internet in accordance with the consortium's data release policy (www.epigenome.org and www.sanger.ac.uk/epigenome).

The mapping of DNA methylation sites in all 30,000 human genes in around 200 samples is now underway.

Histone Modifications and Epigenetic Landscaping

DNA methylation is not the only epigenetic mark. There are also a staggering number of acetylation and methylation marks on the histones—the proteins that bind DNA to form chromatin. Histone modifications alter the chromatin structure and thus regulate gene expression, says Allis, ‘and somehow the cell exploits each and every one of these in a meaningful way’. Recently, a link between DNA methylation and histone methylation was uncovered, a finding that Reik says has ‘galvanised the field’. In Neurospora and Arabidopsis, he explains, there is now good evidence that histone modification puts down some sort of mark that is read by a series of binding proteins, including the enzymes that methylate DNA. How the positional specificity of the first mark is determined remained a mystery until the end of 2002, when the first reports appeared suggesting that in Arabidopsis small RNAs might be involved. The small RNAs are thought to bind to ‘complementary’ sequences in DNA and somehow target the region for epigenetic modification. Whether similar mechanisms exist in animals remains to be seen.

To answer this and other epigenetic puzzles, scientists are organising themselves into collaborative networks to maximise progress. In Europe, for example, Thomas Jenuwein (Research Institute of Molecular Pathology, Vienna, Austria) is in negotiation with the European Commission over the establishment of a Network of Excellence in epigenetic research. This ‘Epigenome Network’, which will focus on epigenetic mechanisms, ‘will allow us to build a long-lasting platform to bring together colleagues working on epigenetics in Europe and make this area of research very strong’, says Jenuwein. Negotiations with the European Commission for an anticipated 12 million of funding over five years should be completed soon, and, if all goes well, the Network should start work in Spring 2004. The Network will not itself fund any epigenome mapping projects like HEP, says Jenuwein, but will build strong links with scientists involved in mapping the ‘epigenetic landscape’, the pattern of DNA methylations and histone modifications.

Just an Academic Exercise?

Epigenetics is a fascinating phenomenon, but why are funding bodies keen to fund expensive collaborative enterprises like the HEP and the Epigenome Network? One hope is that an understanding of how cells execute their genomes normally will provide important clues about what goes wrong in diseases such as cancer, in which, says Bird, ‘methylation has gone a bit wonky in various respects. In particular, CpG islands, regions of the genome that are normally nonmethylated, get methylated, and in some cases this seems to shut off tumour suppressor expression’. Loss of tumour suppressor function can remove the controls that normally restrict cell division, leading to the unrestrained cell growth that is characteristic of cancer. There are also alterations in histone acetylation patterns in cancer, and cataloguing these epigenetic changes in different tumours may provide a way to tag cancers to help clinicians to choose the best therapeutic regimen for individual patients. Epigenetic changes may also provide scope for new therapeutic approaches, says Allis. If a gene is inappropriately switched off during cancer development, he explains, maybe if we could de-silence it, we could reverse tumour development’. Bird agrees that reversing epigenetic marks in this way is an experiment that has to be done. But, he asks, is epigenetics the Achilles heel of cancer, or are there too many genetic changes that are hard-wired to be able to reverse it simply by interfering with epigenetics?’

Recently, a link between DNA methylation and histone methylation was uncovered, a finding that [Wolf] Reik says has ‘galvanised the field’.

A better understanding of epigenetics might also improve the efficiency of cloning animals from somatic cells (reproductive cloning). It is very hard to clone animals from somatic cells and, says Bird, ‘the more you look at the surviving cloned animals in molecular terms, the odder they look’. Reik suggests that this could indicate that epigenetic reprogramming—the process needed to turn a somatic cell back into a totipotent cell—is very inefficient. ‘We have some evidence that there is a link between the success of epigenetic reprogramming and that of cloning, and we really have to understand the reprogramming process to get reproductive cloning to work', says Reik. ‘At the moment the whole process is a black box’. Because of this, many scientists argue that human reproductive cloning, leaving aside the ethical concerns about it, simply isn't a safe option at present, a concern reflected in the recent call by 60 scientific academies for a ban on its development.

Epigenetics then, both at the level of unravelling mechanisms and mapping epigenomes and at the applied level, is an exciting area of research. A far cry from the situation 10 years ago, says Reik, ‘when the field had the smell of something esoteric that no one really understood and whose significance was not clear. Now it is one of the mainstream exciting areas of post-genomic biology’, he concludes, and one which will hopefully yield to the might of large consortia like the Epigenome Network and the HEP.

Where to Find Out More

The Human Epigenome Project

Information on the project, publications, and up-to-date data releases are posted at http://www.epigenome.org.

DNA Methylation

The DNA Methylation Society homepage provides more details on DNA methylation at http://dnamethsoc.server101.com.

Box 1. The Same but Different

Geneticist Emma Whitelaw (University of Sydney, Australia) studies phenomena in mice similar to those seen in human monozygotic twins, whereby genetically identical individuals can look or behave very differently. About a decade ago, she explains, ‘we noticed that in a litter of mice that had all stably inherited a transgene at a specific locus, some mice expressed the transgene, but others didn't’. This variable gene expressivity in genetically identical animals suggested that some kind of epigenetic mark had occurred differentially between individuals by chance. Similarly, identical mice carrying the agouti viable yellow coat colour gene can range in colour from yellow through mottled to brown, depending on whether the gene is expressed or not. And while a mutation in the axin gene called axin-fused produces mice with kinky tails, the degree of kinkiness varies among genetically identical littermates (Figure 1). For all these mice, Whitelaw has discovered that the mysterious epigenetic marks responsible for variable expressivity are inherited between sexual generations. So, in the case of the agouti viable yellow mice, yellow mice have more yellow offspring than mottled or brown offspring. Variable expressivity may be a quicker way to deal with environmental change than DNA mutation and, suggests Whitelaw, it may be that variable expressivity is involved in some way in evolution.

Recent Reviews on Epigenetics

1.      Fischle W, Wang Y, Allis CD (2003) Histone and chromatin cross-talk. Curr Opin Cell Biol 15:172183. Find this article online

2.      Jaenisch R, Bird A (2003) Epigenetic regulation of gene expression: How the genome integrates intrinsic and environmental signals. Nat Genet (Suppl) 33:245254. Find this article online

3.      Reik W, Santos F, Dean W (2003) Mammalian epigenomics: Reprogramming the genome for development and therapy. Theriogenology 59:2132. Find this article online

4.      In addition, there is a collection of articles on many aspects of epigenetics in Ann N Y Acad Sci 2003:983.

All journal content, except where otherwise noted

 

 

 

Prof. Dr. Frank Lyko

Unter Epigenetik versteht man die Steuerung von Genaktivität durch chemische Veränderungen an der Erbsubstanz DNA, etwa durch Ankoppeln von Methylgruppen (Methylierung). Diese Aufgabe erledigen spezialisierte Enzyme, die Methyltransferasen. Bei vielen Krebsarten weist die Erbsubstanz in den betroffenen Zellen nicht nur Veränderungen in den Genen selbst auf (Mutationen), sondern auch abweichende Methylierungsmuster (Epimutationen). Wir arbeiten an einem Verfahren zur Krebsdiagnostik, mit dem sich Epimutationen in Tumorgeweben nachweisen und klassifizieren lassen. Um die molekularen Mechanismen der epigenetischen Genregulation und ihre Rolle bei Krebserkrankungen aufzuklären, benutzen wir die Taufliege Drosophila, deren sehr überschaubares DNA-Methylierungssystem ein ideales Modellsystem darstellt. Außerdem untersuchen wir, wie sich Substanzen, die Methyltransferase-Enzyme hemmen, zur Tumorbehandlung einsetzen lassen

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Abteilung Epigenetik

Prof. Dr. Frank Lyko

Im Neuenheimer Feld 280
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Tel: +49 6221 42 3800

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Epigenetik

Alternative Steuerung der Vielfalt

Wie kann es sein, daß eineiige Zwillinge, von denen ja angenommen wird, daß sie ein identisches Erbgut besitzen, oftmals so unterschiedlich aussehen oder Kinder "nach ihrem Vater oder ihrer Mutter kommen"? Mit diesen Fragen beschäftigt sich ein noch junger Forschungszweig, die Epigenetik.

So, wie es einen mehr oder weniger feststehenden genetischen Kode, nämlich die Aufeinanderfolge der vier verschiedenen Nukleotid-Bausteine, gibt, so existieren darüberhinaus weitere "epigenetische" dynamische Kodes, die die Ablesung der genetischen Information der Nukleinsäuren dauerhaft beeinflussen und z.B. darüber entscheiden, welche ererbten Eigenschaften vom Vater und welche von der Mutter realisiert werden.

Während unseres individuellen Lebens ermöglichen es diese epigenetischen Veränderungen den Zellen, auf Umweltveränderungen und Einflüsse zu reagieren, ohne daß die DNS selber geändert werden muß. Allerdings ist diese Anpassung nicht immer von Vorteil für den Körper: Viele Krebsarten entstehen beispielsweise dadurch, daß die Gene für wichtige Reparaturenzyme oder Schutzmechanismen epigenetisch ausgeschaltet werden. Epigenetische Ursachen werden auch für die immensen Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Stammzelltherapie und dem Klonen verantwortlich gemacht.

Wegen ihrer Bedeutung für die individuelle und dynamische molekulare Vielfalt sollen im folgenden drei wichtige epigenetische Faktoren erwähnt werden: (1) die epigenetische Prägung (imprinting), (2) die sog. RNS-Interferenz sowie (3) bestimmte Kerneiweiße (Histone). Die Erforschung dieser Faktoren gehört zu den heißen Themen der aktuellen biowissenschaftlichen Forschung. Sie bilden eine wichtige Grundlage für das Verständnis individueller genetischer Regulationsmechanismen. Gleichzeitig wird damit die Hoffnung verbunden, Zugang zu den Ursachen vieler Krankheiten und deren pharmakologischer Beeinflussung zu erhalten.

Epigenetische Prägung (genomic oder epigenetic imprinting) . Einen weniger dynamischen aber dafür nachhaltigen Einfluß auf die Ablesung bestimmter Gene hat die sogenannte epigenetische Prägung. Man versteht darunter, daß sich Chromosomen mütterlicher und väterlicher Herkunft, die ja in den Chromosomen in paariger Koexistenz leben, gegenseitig beeinflussen und damit funktionell ungleich sind. So ist das Imprinting eine elternspezifische Regulationsform der Genexpression. Andererseits haben Forscher herausgefunden, daß nur die normale Mischung der Genome von Vater und Mutter eine normale Entwicklung gewährleisten, folglich diese Prägung voraussetzen.

Das bekannteste Beispiel findet sich in den Körperzellen der Frau. Nach der Befruchtung der Eizelle und den ersten Teilungen in der Embryonalphase "entscheiden" sich die Zellen eines weiblichen Embryos (besitzt zwei X-Chromosomen, Genotyp XX), eines der beiden X-Chromosomen stillzulegen. Das Chromosom wird zu einem Paket verschnürt und mit einer Schicht von Molekülen überzogen, die den Zugriff bei der Ablesung des genetischen Kodes behindern. Das Besondere: Bei allen weiteren Tochterzellen bleibt diese Kopie des X-Chromosoms "abgeschaltet" – so, als wäre sie nicht vorhanden.

Das Phänomen der epigenetischen Prägung ist aber nicht auf die Geschlechtschromosomen beschränkt. So können die Zellen eines Kindes unterscheiden, welches der beiden Exemplare dieser Gene sie vom Vater und welches sie von der Mutter geerbt haben. Die Zellen nehmen nur eines der beiden in Betrieb, das andere, durch einen Elternteil "geprägte" Gen, bleibt ungenutzt. Dieser Vorgang entscheidet offensichtlich auch über die Ausprägung eines Krankheitsgens (vgl. Abschnitt "Erbkrankheiten" ).

Die Beeinflussung der Gene bei der epigenetischen Prägung erfolgt wahrscheinlich durch enzymatische Methylierung , also durch das Anhängen von winzigen Methylgruppen an einige Cytosinbausteine der DNS. Dies betrifft meist nur eine begrenzte Anzahl von Genen. Die Prägung hält nur eine Generation und wird bei der Bildung neuer Keimzellen gelöscht, also nicht auf die Nachkommen vererbt(!). Mehr als 40 solcher genetisch prägbarer Gene sind beim Menschen bisher bekannt. Man schätzt aber die Gesamtzahl auf 100 bis 200. Mit den weiter unten beschriebenen Gen-Chips lassen sich diese Methylierungsmuster tatsächlich nachweisen.

Die individuelle epigenetische Prägung beeinflußt Entwicklung, Wachstum und Verhalten eines Lebewesens. Prägungsfehler können zu einem vollständigen Funktionsverlust geprägter Gene und dadurch zu charakteristischen Krankheitsbildern führen. Diese epigenetischen Veränderungen steuern die Krebsentstehung, verursachen Probleme in der Stammzelltherapie sowie beim Klonen und beeinflussen, wie erwähnt, welche Eigenschaften vom Vater und welche von der Mutter zur Ausprägung kommen.

Im Anschluß an dieses aufregende Thema sollen noch zwei weitere epigenetische Regulationsmechanismen Berücksichtigung finden, die einen modifizierenden Einfluß auf die Transkription ausüben: die sogenannte RNS-Interferenz und der Einfluss von Histonen.

RNS-Interferenz. Kürzlich ist es nach umfangreichen Vorexperimenten an Fruchtfliegen, Würmern, Pilzen und Pflanzen gelungen, spezifisch einzelne Gene in Humanzellen funktionell abzuschalten, ohne manipulative Eingriffe an der DNS vorzunehmen. Die Methode greift nicht auf der Ebene der DNS in das Erbgut ein, wie bei den herkömmlichen Knock-out-Experimenten, bei denen man ausgewählte Gene zerstört und dann schaut, welche Funktionen ausgeschaltet wurden. Sie beruht vielmehr auf einem Eingriff auf der Ebene der ersten Stufe der Übersetzung der Erbinformation in Eiweiße , nämlich auf der Ebene der Synthese der Boten-RNS (mRNS). Für die Aufklärung des Mechanismus' der RNS-Interferenz erhielten die beiden US-Wissenschaftler Andrew Z. Fire und Craig C. Mello den Nobelpreis für Medizin 2006.

Führt man künstlich synthetisierte kurze doppelsträngige RNS-Moleküle (dsRNS) mit einer Kettenlänge von 21 bis 23 Nukleotiden mit bekannter Nukleotidsequenz in einen Organismus ein, so sind diese Moleküle in der Lage, den weiteren Übersetzungsweg bis zum fertigen Eiweiß zu blockieren - die RNS-Interferenz. Durch Basenpaarung erkennt die Doppelstrang-RNS die homologe mRNS (Schlüssel-Schloss-Prinzip) und lagert sich an diese an. Zusammen mit Enzymen (Nukleasen), die Nukleinsäuren abbauen können, bildet sie einen sogenannten Silencing-Komplex. Dieser Komplex bewirkt dann das Herausschneiden des mit der dsRNS markierten Bereiches aus der mRNS, der dann nicht mehr zur Kodierung der Proteinsynthese benutzt werden kann. Dieser Vorgang wird Doppelstrang-RNS-Interferenz genannt. Allerdings kennt man noch nicht alle Mechanismen dieses Abschaltprozesses.

Sie ahnen schon, welch praktische Bedeutung diese Entdeckung haben könnte. In der Tat ist es heute einfach, solch kurze RNS-Moleküle mit bekannter Basensequenz zu synthetisieren. Der Entdecker des Phänomens der RNS-Interferenz, Thomas Tuschl, hat folgende Vision für die funktionelle Genomanalyse: "Um die Funktionen der 30.000 Gene des menschlichen Genoms herauszufinden, müsste man also, da die Nukleotidsequenz des menschlichen Genoms bekannt ist, "nur" 30.000 Doppelstrang-RNS-Stücke synthetisieren und so der Reihe nach einzelne Gene (mittels RNS-Interferenz d.A.) ausschalten und herausfinden, was dadurch fehlentwickelt oder gestört wird" ... "Das wird nicht ganz einfach und schnell gehen. Aber es gibt dabei kein grundsätzliches Problem".

Bei dem beschriebenben Verfahren handelt es sich nicht nur um einen sehr nützlichen Labortrick. Es wird vermutet, daß dieser Prozeß auch in der Natur vorkommt. Untersuchungen an der uns bereits bekannten Taufliege Drosophila haben gezeigt, daß offensichtlich auch unter natürlichen Bedingungen solche kurzkettigen Doppelstrang-RNS-Moleküle entstehen können. Das Prinzip dieses Verfahrens ist ein uralter Mechanismus, der im Leben vieler "niederer" Organismen eine wichtige Rolle spielt. Durch ihn schützen sich zum Beispiel manche Pflanzen vor RNS-Viren.

Histone. Kommen wir zum Abschluß des Themas zu den Histonen. Es handelt sich dabei um anfärbbare basische Zellkernproteine, deren Struktur die Organisation des langen DNS-Fadens bewirken. Im Lichtmikroskop ist der im Zellkern normalerweise eng gepackte DNS-Faden nicht im Detail zu erkennen. Erst zum Zeitpunkt der Zellteilung erscheint er uns, wie bereits erwähnt, in der organisierten Form der Chromosomen. Die Histone bestehen aus kleinen Untereinheiten (Nukleosomen) zu je acht Proteinmolekülen, um die jeweils zwei Windungen der DNS-Helix geschlungen sind. Ort und Art der chemischen Modifikation ( Methylierung, Acetylierung usw.) der Nukleosomen bestimmt die Dichte der Packung des DNS-Knäuels und diese wiederum die Ablesbarkeit des genetischen Kodes. Auf diese Weise wird das Arsenal regulativer Einflußnahme auf den genetischen "Basiskode" enorm erhöht und die Vielfalt der molekularen Expressionsmuster erweitert.

Fazit: Die Epigenetik befaßt sich mit Strukturen, die das Verhalten der genetischen Basisstrukturen der DNS nachhaltig prägen (genetic imprinting). So versteht man z.B. unter der epigenetischen Prägung die gegenseitige Beeinflussung der Chromosomen eines Chromosomenpaares, wobei bestimmte Gene eines Chromosoms durch das andere (homologe) Chromosom ausgeschaltet werden. Diese Prägung scheint eine notwendige Voraussetzung für eine normale Embryonalentwicklung und die Entscheidung darüber zu sein, welche Eigenschaften von Vater bzw. Mutter zur Ausprägung kommen. Andererseits können Fehlprägungen zu Fehlbildungen, Krebs oder Tod führen. Die Prägung wird bei der Entstehung der Keimzellen wieder gelöscht und nicht auf die Nachkommen übertragen.

 

 

Epigenetik: Vererbung ist mehr als die Summe der Gene

nächste Meldung
04.04.2005

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Der vdbiol, Landesverband Bayern, lädt zur Tagung ins neue Biozentrum der LMU MÜnchen nach Martinsried (6.4., ab 14 Uhr). Viele Rätsel sind noch rund um die molekularen Vorgänge der Vererbung zu lösen. Spezielle Mechanismen markieren die väterlichen und mütterlichen Geninformationen und entscheiden damit, ob die Gene aktiv sind oder abgeschaltet werden. Epigenetik werden all diese Mechanismen genannt, die über den reinen Gencode hinaus wichtig für die Genaktivität sind.

 

Epigenetik bezeichnet alle Vorgänge, die sich "epi" -- d.h. neben oder über der DNA abspielen. Diese epigenetischen Markierungen (z.B. Methylierung der DNA) steuern u. a. welche Eigenschaften vom Vater und welche von der Mutter vererbt werden. Fehler in der Markierung (etwa durch Umwelteinflüsse) können zu schwerwiegenden Folgen führen wie Krebsentstehung. Auch in der Stammzellforschung macht die Epigenetik große "Probleme" bei der Reprogrammierung von pluripotenten Ausgangszellen zurück zu totipotenten Zellen.

Um die Gesamtheit aller epigenetischen Veränderungen in einem Organismus zu beschreiben, sprechen Wissenschaftler bereits vom "epigenetischen Code", ein Code der gemeinsam mit dem allgemeinen genetischen Code erst das Verständnis des Erbgutes ermöglichen wird. Die Entschlüsselung des epigenetischen Codes ist daher eine der großen Herausforderungen für die Wissenschaft.

Prof. Dr. Leonhardt und Prof. Dr. Cremer von der LMU München vermitteln in dieser Veranstaltung Grundlagen und Anwendungen der Epigenetik.

Programm:
14.00 Uhr: Prof. Leonhardt (LMU), Epigenetik - Grundlagen und Anwendungen
14.45 Uhr: Prof. Cremer (LMU), Neue optische Methoden revolutionieren die Zellbiologie
15.30 Rundgang durch das neue Biozentrum in Martinsried
16.00 Uhr: Biologielehrplan im G8 (Jochen Meyer, ISB)

In Kurzform zum Merken:
Frühjahrsforum des LV Bayern
"Epigenetik: Vererbung ist mehr als die Summe der Gene"
06.04.05, Martinsried,
14:00 -- 16:30 Veranstaltungsort: Hörsaal des Department Biologie II der LMU Großhadener Str., Martinsried ("Biozentrum Martinsried", Martinsried, Bus 266 oder U6 Klinikum und dann durch den Bannwald Richtung Martinsried) anerkannt als eine die staatl. Lehrerfortbildung ergänzende Maßnahme KMS III 7 - 5 P 4160.7 - 6 13 834

Ohne Anmeldung und Gebühr

 

 

 

Stammzellen - Epigenetik/ Info: Büro Hüppe 27.11.2002

Berliner Zeitung 21.11.02

Schussfahrt der Stammzellen

Die Epigenetiker halten den Schlüssel zur besseren Stammzell- und
Klonforschung in Händen 

Sascha Karberg 

Skifahren und Embryonalentwicklung haben mehr gemeinsam, als man denkt.
Diesen Eindruck vermittelt ein 60 Jahre altes Modell des
Entwicklungsbiologen Conrad H. Waddington. An dessen Bedeutung für die
aktuelle Forschung wurde am Wochenende im Rahmen einer gemeinsamen
Tagung von Stammzell-, Klonforschern und einer neuen
Molekularbiologen-Gattung, den Epigenetikern, im Berliner Harnack-Haus
der Max-Planck-Gesellschaft erinnert. 

Ebenso wie Wintersportler sich auf verschiedene Pisten verteilen, um ins
Tal zu fahren, entscheiden sich auch die frühen Embryonalzellen für
bestimmte Entwicklungswege. An der Bergstation stehen noch alle Wege
offen. Aber mit jedem zurückgelegten Höhenmeter nehmen die Möglichkeiten
ab. Nach der Ankunft im Tal, wo kein Schnee mehr liegt, ist die
Differenzierungsfahrt in Haut-, Leber- oder Hirnzelle zu Ende. 

"In der Stammzellforschung versucht man, aus einem Zelltyp einen anderen
herzustellen, indem man die Zelle gewissermaßen umprogrammiert", sagte
Wolf Reik. Der Entwicklungsbiologe am Babraham Institut im britischen
Cambridge benutzte das Waddington-Modell auf der Tagung, um zu
verdeutlichen, dass es große Barrieren gibt, die eine solche
Umprogrammierung verhindern. "Es ist schwer, von dem einen
Waddingtonschen Tal ins nächste zu kommen", sagte Reik. "Die Berge
zwischen den Tälern stellen die Hürden dar, die man nehmen muss, um eine
Leberzelle in eine Hirnzelle zu verwandeln." 

Die Besonderheit einer Zelle wird durch die Gene festgelegt. In jeder
Zelle sind jedoch die gleichen Gene enthalten - insgesamt sind es
schätzungsweise dreißigtausend. Da sich an den Genen selbst nichts
ändert, muss die Unterschiedlichkeit der Zellen epi-genetischer Natur
sein (griechisch epi  neben). Das heißt, neben dem genetischen Code gibt
es Markierungen, die dafür sorgen, dass in einem Gewebe auch die
richtigen, gewebetypischen Gene aktiv sind. 

"Zellen sammeln auf dem Weg in Waddingtons Täler immer mehr
epigenetische Markierungen", sagte Reik. Deshalb bezeichnete Waddington
sein Modell als epigenetische Landschaft. 

Eine der wichtigsten epigenetischen Prägungen beim Menschen ist die
chemische Veränderung der Base Cytosin. Dabei handelt es sich um einen
der vier Grundbausteine des DNA-Fadens. Cytosin kann mit einer
Methylgruppe versehen werden. Methylierte Gene können (in der Regel)
nicht mehr eingeschaltet werden, denn die Methylgruppen wirken für die
Genaktivierungsmaschinerie der Zelle wie unüberwindliche Hindernisse.
Während der Entwicklung der Zellen sind die Methylierungen wie
Pistenbegrenzungen für Skifahrer: Sie weisen den Zellen den Weg. Die
Methylmarkierungen sind wichtig dafür, welche Gene aktiv und welche
inaktiv sind. So ist jeder Zelltyp und jedes Entwicklungsstadium der
Zellen an seinem unverwechselbaren Methylierungsmuster zu erkennen.

Dennoch gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, den Weg der Zellen durch
Waddingtons epigenetische Landschaft gezielt zu verändern. Die
Stammzellforscher versuchen es zum Beispiel mit folgender Strategie: Sie
versuchen die Zellen noch während der Fahrt abzufangen - dann also, wenn
sich die Zellen noch für mehrere Pisten entscheiden können. Zellen in
dieser Phase heißen adulte Stammzellen. Sie kommen selten im
menschlichen Körper vor. Am häufigsten finden sie sich im Knochenmark,
wo sie für die Regeneration der Blutzellen sorgen, und in der Haut. 

Um an mehr Zellen vom gewünschten Typ zu kommen, versuchen Forscher
deshalb, die Zellen aus den Tälern den Hang hinaufzutreiben. Der
Fachbegriff dafür ist "Reprogrammierung". Bei adulten Stammzellen kann
man das epigenetische Programm inzwischen verändern, indem man die
Zellen in einem Cocktail aus Wachstumsfaktoren badet. Aber das
funktioniert eher nach dem Prinzip Versuch und Irrtum: Man weiß vorher
nicht genau, welcher Zelltyp am Ende herauskommt. 

"Um mehr Klarheit zu gewinnen, haben wir Stammzellforscher und
Epigenetiker auf dieser Tagung zusammengebracht", sagte Jörn Walter von
der Universität des Saarlandes. Er leitet mit Bernhard Horsthemke,
Humangenetiker an der Universität Essen, das erste Schwerpunktprogramm
der Deutschen Forschungsgemeinschaft zum Thema Epigenetik. Ein Ziel
dabei ist, dass epigenetische Muster bald gezielter verändert werden
können. Um im Skisport-Bild zu bleiben: Damit die Forscher ihr Ziel
erreichen, sollen nun Tunnel durch die Berge gebohrt werden. Sie sollen
die Umwandlung eines Zelltyps in einen anderen ermöglichen. Fachleute
sprechen dabei von "Transdifferenzierung".

Aber auch Klonforscher interessieren sich für Epigenetik, denn in ihr
könnte der Schlüssel zum Verständnis liegen, warum so viele
Klonexperimente misslingen. Beim Klonen wird der Zellkern einer
Körperzelle, die längst im Tal angekommen ist, in eine zellkernfreie
Eizelle eingesetzt. Bildlich gesprochen, setzt man den erschöpften
Skifahrer, der schon eine lange Abfahrt hinter sich hat, trotzdem wieder
mit dem Hubschrauber auf dem Gipfel ab. Alle notwendigen Gene für eine
normale Entwicklung sind in der "abgesetzten" Zelle vorhanden, aber
dennoch enden viele der Klonembryonen in den Gletscherspalten der
Waddingtonschen Berglandschaft.

"Die überwiegende Mehrheit geklonter Mausembryonen hat schwerwiegende
Defekte im epigenetischen Muster, nur bei etwa fünf Prozent ähneln die
Methylierungsmuster denen von normalen Embryonen", sagte Reik, der in
Cambridge selbst geklonte Mausembryonen untersucht. Der Klonforscher
Eckhard Wolf, der das erste deutsche Klonkalb "Uschi" schuf, machte
diese Beobachtung auch bei seinen Klonversuchen an Kühen. "Alle
Klontiere sind gleich, aber einige sind gleicher als andere", fasste er
seine Ergebnisse zusammen. "Ein großer Fortschritt für die Klontechnik
wäre es, wenn es gelänge, anhand der epigenetischen Muster die
entwicklungsfähigen Klone von denen zu trennen, bei denen eine
Implantation in die Gebärmutter sich gar nicht lohnen würde", sagte
Reik. Normalerweise findet kurz nach der Befruchtung der Eizelle eine
Neuprogrammierung der Methylierungsmuster der mütterlichen und
väterlichen DNA statt. Die genaue Untersuchung dieses Vorgangs, "sollte
Eingriffsmöglichkeiten eröffnen, entweder in die Zellen, die für das
Klonen verwendet werden, oder in die frühe Embryonalentwicklung der
Klone", sagte Reik.

Auch Krankheiten spiegeln sich in einem veränderten Methylierungsmuster
wider. Inzwischen wissen Epigenetiker zum Beispiel, dass fehlende oder
falsch gesetzte Methylgruppen die Aktivierung von Krebsgenen verursachen
können. Die Berliner Biotech-Firma Epigenomics will das nutzen, um
bessere Früherkennungstests für Krebs zu entwickeln. Diese sollen die
Methylierungsmuster auf der DNA von Gesunden und Kranken unterscheiden
können. Erste Erfolge gibt es bei der Früherkennung von Prostata-,
Nieren- und Blutkrebs. "In sechs Jahren wollen wir einen epigenetischen
Nachweis für Prostatakrebs auf den Markt bringen", sagte Alexander Olek,
Geschäftsführer der Firma. 

Die Epigenetik wird künftig womöglich auch die Diagnose von umwelt- oder
ernährungsbedingten Erkrankungen wie Diabetes erleichtern. Und auch bei
der Behandlung von Krankheiten dürfte die Epigenetik demnächst von
Nutzen sein: "In vielen Labors versuchen Forscher, epigenetische
Informationen in Therapien umzusetzen", berichtete Jörn Walter. Die
kanadische Firma Methylgene beispielsweise hemmt die Methylierung, um
Einfluss auf das Wachstum von Krebszellen zu nehmen.

Auf ein beunruhigendes Phänomen ist Bernhard Horsthemke bei der
Untersuchung von Kindern mit dem so genannten Angelman-Syndrom gestoßen.
Diese geistig und körperlich schwer behinderten Mädchen und Jungen
weisen von Geburt an schwere epigenetische Störungen bestimmter Gene
auf. Dies trifft auch auf Kinder zu, die am Beckwith-Wiedemann-Syndrom
leiden, einer Störung, die unter anderem zu Organmissbildungen führt.
Horsthemke und Kollegen aus den USA entdeckten jetzt, dass auffällig
viele Kinder mit diesen Syndromen im Reagenzglas gezeugt wurden und zwar
mit einer speziellen Technik, bei der das Spermium direkt in die Eizelle
gespritzt wird: die intrazytoplasmatische Spermieninjektion, kurz ICSI. 

"Wir können noch nicht sagen, ob ICSI tatsächlich diese epigenetischen
Fehler auslöst", sagte Horsthemke, der drei Angelman-Kinder betreut, die
per ICSI gezeugt wurden. "Unsere Statistik ist zugegebenermaßen noch
nicht sehr gut", gestand der Essener Forscher ein. Aber die
Datengrundlage der amerikanischen Untersuchungen zum
Beckwith-Wiedemann-Syndrom sei sehr viel besser und werde durch neue
Ergebnisse einer kanadischen und einer britischen Gruppe bestätigt. Nach
Ansicht von Horsthemke gibt es "etliche Hinweise, dass das Risiko für
epigenetische Fehler durch ICSI erhöht wird". Seit einer Weile müssen
die Krankenkassen die Kosten für ICSI übernehmen. Sie hatten einen
Prozess verloren, bei dem sie wissenschaftliche Bedenken äußerten.
Horsthemke fordert nun längerfristige Nachuntersuchungen von
ICSI-gezeugten Kindern.